Monochrom

Der in Augustin lebende Künstler hat aus eigener existentieller Erfahrung zunächst seine Werkreihe „nach Ada“ entwickelt. Inspiriert dazu haben ihn die allerersten zeichnerischen Experimente seiner Tochter; der völlig unvoreingenommene Umgang des Kindes mit Bleistift und Papier hat zu zarten Zeichnungen von größter Freiheit und Unbefangenheit geführt, Zeichnungen, die ohne Absicht und ohne Bewusstsein für das eigene Tun waren. Fasziniert von dieser im besten Sinne „naiven“ Linienführung hat Marc Kirschvink die „Motive“ der Tochter „transkribiert“, hat sie händisch in deutlich größere Formate übertragen und durch kräftige Farbflächen hinterfangen und räumlich umfasst. Auf poppigem Untergrund von Rosa-Orange, Blau-Violett oder Gras-Grün vibrieren die Linien über die Bildfläche, zart, aber selbstbewusst, in einem stimmigen Fluss der Bewegtheit, mit Verdichtungen und Auflösungen der Linien und einer ausgewogenen und zugleich spannungsreichen Verteilung der reduzierten, abstrakten Elemente im Bild. Auch die späteren Strichmännchen der Tochter hat Marc Kirschvink eins zu eins auf Leinwand übertragen und in einen landschaftlichen Bezug gesetzt. Die heiteren Figürchen schweben und tanzen durch den Raum, mit Segelohren oder einem schiefen Lächeln, vor einer Ritterburg oder einem Spielplatz, auf der grünen Wiese oder einem pinken Raum der Fantasie. Sie erinnern uns an die Zeichnungen unserer Kinder, oder, weiter noch, an unsere eigenen Zeichnungen, die wir seinerzeit zunächst völlig wertfrei, später dann mit dem wachsenden Anspruch an Abbildhaftigkeit malten oder zeichneten, ein Ausdruck größter Unbeschwertheit, die uns als Kinder ohne Wissen um die Bürden der Welt durch selbige trug und vor selbiger schützte. Humorvoll und heiter sind diese Strichmännchen, bei deren Anblick wir uns danach sehnen, noch einmal so unbefangen zeichnen zu können, bergen unsere Erinnerungen daran doch die nostalgisch-sehnsuchtsvolle Verklärung an eine glückliche Kindheit, an eine vergangene Zeit, an Nie-Wieder-Bringbares. Marc Kirschvink hat dieser kindlichen Sehnsucht nachgegeben und sie zu einer Passion gemacht. Die Kinderzeichnung überträgt er ohne technische Hilfsmittel auf die Leinwand, malt sie sozusagen ab, übernimmt dabei den kindlichen Duktus, überlagert die Zeichnung dann mit verschiedenfarbigen Lasuren, um sie, einem Archäologen gleich, wieder frei zu legen und aus den Tiefen der Leinwand hervorzukratzen.